Mehrsprachigkeit beim Kind

Mehrsprachigkeit beim Kind

Mehr als 70% der Weltbevölkerung ist mehrsprachig. In Deutschland ist der Prozentsatz von Menschen mit Migrationshintergrund stetig gestiegen, etwa jeder fünfte Einwohner und sogar über 30% der Kinder sind mehrsprachig.

Man unterscheidet zwischen dem 1. simultanen Spracherwerb:
Hier lernt ein Kind von Geburt an zwei Sprachen, man spricht hier von Bilingualismus.

Meistens gestaltet sich eine derart bewusste sprachliche Erziehung nach dem Prinzip:
„Eine-Person-eine Sprache" und dem 2.sukzessiven Spracherwerb:
Hier erfolgt der Erwerb der zweiten und weiterer Sprachen nach dem dritten Lebensjahr, d.h. nachdem die Erstsprache schon einigermaßen etabliert worden ist.
Wichtig ist hier, dass diese Kinder dann ab dem 3. Lebensjahr in den Kindergarten gehen, damit es dort aktiv die deutsche Sprache lernen kann. Sie sollten bis nachmittags im Kindergarten bleiben, damit sie genug sprachlichen Input bekommen und sich auch in ihrer Kommunikationsfähigkeit mit den anderen Kindern im Dialog üben.

Wichtig für einen erfolgreichen Spracherwerb mehrerer Sprachen ist die konsequente Sprachtrennung.

Diese Sprachtrennung kann entweder durch eine personale Sprachtrennung erreicht werden durch das Prinzip „Une personne-une langue", wobei die Eltern von Geburt an die eigene Muttersprache mit dem Kind sprechen.
Oder es findet die situative Sprachtrennung statt, durch eine bewusste Aufteilung in Familien und Umgebungssprache.

Das wichtigste Prinzip ist, dass Eltern immer in ihrer Herzenssprache, also in ihrer eigenen Muttersprache mit ihren Kindern sprechen sollten. Schlechtes Deutsch anbieten ist keine gute Lösung. Denn die Quantität und die Qualität der angebotenen Sprache sind entscheidende Faktoren, für den erfolgreichen Spracherwerb.

Nur ein ausgewogener Input und Gebrauch aller zu erlernenden Sprachen, führt zu einer ausgewogenen Sprachentwicklung und zu einer ausgewogenen Persönlichkeitsentwicklung.
Sprachmischungen treten auf und sind physiologisch, sie sind eine kreative Nutzung der bei dem Kind vorhandenen sprachlichen Vielfalt.
Sprachwechsel geschehen fließend und ohne deutliche Unterbrechung im Redefluss.
Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass ein Kind nicht nur rudimentäre Sprachkompetenzen in allen Sprachen erwirbt, die es lernt und keine dominante Sprache entwickelt. Wichtig ist immer, dass das Kind eine Sprache sehr gut beherrscht, also diese dominant vorhanden ist.
Die Dominanz einer oder mehrerer Sprachen ist immer kontextabhängig und im Laufe des Lebens veränderbar.
Die logopädische Praxis „Sprechzeit" in Kempten bietet das Testverfahren von Lilli Wagner SCREEMIK an.

Ein „Screening" der Erstsprachefähigkeit bei Migrantenkindern für die Sprachen:

  • Russisch-Deutsch
  • Türkisch-Deutsch

Um herauszufinden, ob ein Kind lediglich erwerbsbedingte Auffälligkeiten in der Zweitsprache zeigt, oder ob es sich um eine Sprachentwicklungsstörung handelt, ist es unbedingt notwendig, die Erstsprache zu diagnostizieren.
Eine Sprachentwicklungsstörung zeigt sich immer übergreifend in allen Sprachen eines mehrsprachigen Kindes, nie nur in einer Sprache.
Die Diagnose einer Sprachstörung setzt bei einem zweisprachigen Kind daher unbedingt die Überprüfung seines sprachlichen Entwicklungsstandes in beiden Sprachen voraus.
Bei Kindern, die nur rudimentäre Deutschkenntnisse haben, muss eine sprachliche Überprüfung der Erstsprache stattfinden.
Kinder mit Erstsprache Russisch und Erstsprache Türkisch können sprachlich überprüft werden.

Das Screening eignet sich besonders für die Altersstufe 4,0 bis 5.11 Jahre.