Der Wortschatz

Der Wortschatz:

Als Wortschatz bezeichnet man die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Der aktive Wortschatz besteht aus den Wörtern, die ein Sprecher aktiv verwendet. Der produktive Wortschatz ermöglicht dem Sprecher, sich verständlich auszudrücken. Der Sprecher kann zu einer bestimmten Bedeutung das zugehörige Wort aus dem Gedächtnis abrufen.

Im Unterschied zum aktiven Wortschatz steht das rezeptive Sprachverständnis (oder passiver Wortschatz) – die Wörter, die der Sprecher kennt und versteht. Der rezeptive Wortschatz verhilft zum Verstehen gesprochener und geschriebener Sprache.

Daraus resultiert, dass der Mensch erst in einer Sprache aktiv sprechen kann, wenn er zu Grunde liegende rezeptive Sprachleistungen dieser Sprache erworben hat. Er kann erst in einer Sprache beginnen zu sprechen, wenn er Teile von ihr versteht.

Sprache und Sprechen sind aktive Handlungen, sie sind sichtbar, wie das letzte Siebtel eines Eisberges, der aus dem Meer ragt. So ist aktive Sprache immer sichtbar. Finden sich Probleme im Wortschatz eines Menschen, muss immer der passive Wortschatz überprüft werden. Häufig haben diese Menschen Probleme im Sprachverständnis.

Sprachverständnisstörungen

Sprachverständnis ist die Fähigkeit, Sinn und Bedeutung von Lautäußerungen zu erfassen. Um Sprache verstehen zu können sind folgende Fähigkeiten wichtig:

  • Sprache hören und seine Aufmerksamkeit darauf richten
  • Sog. Lautketten (z.B. B-L-U-M-E) erkennen und eine Bedeutung zuordnen
  • Der Bedeutung Weltwissen zuordnen
  • Herausfinden, was der Gesprächspartner will

Symptome

Sprachverständnisstörungen kann man nicht direkt beobachten, sondern nur die Reaktion eines Kindes oder eines Erwachsenen auf eine Anweisung oder einen Sachverhalt. Nicht selten entwickeln Kinder und auch Erwachsene Strategien um ihre Schwächen zu kompensieren, z.B. durch gute Beobachtung der Umwelt und Handlungen, die der Situation angemessen sind. Dies kann dazu führen, dass das Sprachverständnisproblem lange Zeit unerkannt bleibt. Vielmehr werden den Kindern und Erwachsenen mangelnde Konzentrationsfähigkeit, mangelndes Interesse, Hyperaktivität, Unruhe, Lethargie unterstellt. Mögliche Symptome können sein:

  • Keine Reaktion auf Ansprache
  • Geringe Aufmerksamkeit für Sprache
  • Ungenaue / falsche Antworten und Reaktionen
  • Wiederholen von Satzteilen oder Wörtern
  • Reaktion auf eine Aufforderung nur nach zusätzlichen Gesten
  • Kein Interesse an Geschichten
  • Häufige Ja Antworten
  • Aggressivität, Störverhalten, kaspern oder ständiges Reinreden

Ursachen

Sind immer multifaktorial, diese sind Funktionsanteile der sechs siebtel des Eisberges, die sich unter Wasser befinden, und die wir bewusst gar nicht unbedingt in den Zusammenhang mit der aktiven Sprache setzen, aber Grundvoraussetzung dafür sind, dass sich ein aktiver Wortschatz und Sprache überhaupt entwickeln kann bzw. ein bereits erworbener aktiver Wortschatz erhalten beliebt:

  • Zeitweise oder dauerhafte Hörstörung od. Schwerhörigkeit
  • Genetische Faktoren
  • Mangelndes Sprachvorbild und Anregung
  • Traumata, Unfälle, Schlaganfälle mit einhergehender Aphasie, neurologische Erkrankungen
  • Störungen der Wahrnehmung und/oder der Grob und Feinmotorik
  • Eingeschränkte Fingerfertigkeiten
  • Störungen der emotionalen Entwicklung, psychische Erkrankungen
  • Organische Störungen

Es treten jedoch auch Störungen auf, bei denen zunächst keine Ursache ermittelt werden kann.

Behandlung / Methode

Oberstes Ziel dieser Therapie ist, den Patienten (wieder) neugierig auf Sprache zu machen und seine Wahrnehmungsfähigkeiten zu verbessern, so dass es in der Lage ist, über alle Sinneskanäle Informationen aufzunehmen und zu speichern. Wir arbeiten also multimodal.

Die handlungsorientierte Sprachtherapie ist sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene geeignet.

Um verstärkt auf die Sinneswahrnehmungen eingehen zu können, bauen wir Elemente aus der sensorischen Integrationstherapie nach Jean Ayres ein. Das „Führen nach Affolter" eignet sich sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Methodisch arbeiten wir bei kleinen Kindern nach dem Konzept von Dr. Barbara Zollinger und bei größeren Kindern nach dem handlungsorientierter Therapieansatz nach Redemann-Tschaikner (HOT).

Carén Siedenhans
Staatlich geprüfte Logopädin